Programmschwerpunkt 2026

ein übersetzungsversuch (several acts)
martian m. mächler mit Joseph Baan,
weather forecast, Elisa Nessler und
Lennart Häusser

Eröffnung:
Do, 5. März 2026, 18 Uhr
19 Uhr: Performative Lesung martian m. mächler

Sa, 7.3., 18 Uhr
Performative Lesung Joseph Baan

Fr, 13.3., 19 Uhr
Filmscreening in Anwesenheit der Filmemacherin
Carmen Tartarotti:  Das Schreiben und das Schweigen

Friederike Mayröcker ist keine Protagonistin, die den Mediengesetzen gehorcht. Im Lichte ihrer Aura kollabieren viele Kategorien. Carmen Tartarottis Film „DAS SCHREIBEN UND DAS SCHWEIGEN“ (2008) führt den Zuschauer mit einer subtilen Verknüpfung von Wort und Bild ins Zentrum einer poetischen Existenz, so dass die unscheinbarsten Dinge zu einem beseelten Kosmos gedeihen. Im Mittelpunkt steht das behutsame Ausloten des Schreibprozesses: die räumliche Ordnung des Arbeitens, die Materialität der Sprache und das stille Ringen um Ausdruck. Über mehrere Jahre begleitete die Filmemacherin die 2021 verstorbene Dichterin und durfte nur unter strengen Auflagen mit ihr drehen. Ohne Team, möglichst diskret und ohne Lebenssphäre oder Arbeitsrhythmus der Dichterin zu behindern. Sprechen mag diese schon gar nicht. Tut sie aber doch.

„Ich hab’ gedacht, es soll ein Film über das Schweigen werden. Das Schreiben und das Schweigen. Aber wie macht man das dann? Vielleicht ist es bei anderen Autoren so, dass sie beim Sprechen andere Sachen hervorholen aus ihrem Hirn, während ich nichts hervorholen kann. Ich mag nicht sprechen! Und auf dieser Grundlage werden wir unseren Film aufbauen. Das 
machen wir!“
(Friederike Mayröcker) 

Die Filmemacherin ist anwesend. Das Gespräch mit ihr führt die Künstlerin Regine Steenbock. 
www.carmen-tartarotti.de

Sa, 11.4. 14 – 18 Uhr (mit Pausen)
Schreibworkshop weather forecast
(Esther Vorwerk & martian m. mächler) – sharing words
Teilnehmer:innenanzahl: ca. 15 Personen
(nur auf Anmeldung: m@mmmaechler.com)

Sa, 11.4.26, 18 – 20 Uhr
Finissage & Sharing

Geöffnet:
6.3. – 11.4.26, Sa + So, 15 –18 Uhr


prelude
ich öffne ein fenster. nein, kein fenster. ich schiebe einen der schweren vorhänge zur seite. und trete hervor. mein gesicht wird von einem weit entfernten bühnenlicht getroffen, das nach einer antwort dürstet. teile von mir zerfliessen und verstecken sich hinter einem der noch zugezogenen dunkelroten stoffe, andere fliegen rauf und werden von der decke aufgefangen. wir erröten. wir atmen ein, und holen einen tiefen luftzug, um das auszusprechen, worauf alle bereits warten. aber es bleibt stecken, irgendwo in der nähe der stimmbänder. auch der chor, der im bauch lebt, will das nicht übernehmen. alles, was eigentlich keine augen hat, schaut mich an. und ich schliesse mich ihnen an, und sehe mich, wie ich mich nicht bewege.

das bühnenlicht wendet sich verlegen ab und leuchtet den raum aus. es hat stühle, aber niemand sitzt darauf. ein leerer mülleimer. eine uhr. viele türme aus büchern. Ganze sammlungen an objekten und materialien. sie spiegeln, sie klingen, von draussen. mit vielen leerstellen dazwischen. meine lippen sind trocken. ich würde gerne etwas sagen. mein zeh zuckt abseits vom licht, und ein zeigefinger folgt dem klang, der sich kreisförmig durch den raum bewegt. ein zerflossener zeh mischt sich ein, gleich in dem moment, in dem der popsong von einer der kreisbewegungen verschluckt wird. i try to sing along, but the choir is still busy humming an optimistic grumble. die schwere in meinen schultern drückt dagegen. ich versuche etwas zu sagen. aber die worte fehlen, sie sind zu sperrig, nicht richtig für diesen raum geschrieben. entziehen sich dem ticken. sie fühlen sich an, als ob sie abgetrennt von meinen zehen, sich ausserhalb meiner haut befinden.

ein stuhl rückt näher. in kleinen nischen höre ich einzelne worte, es flüstert aus den büchertürmen. ich sehe kerben. ein zusammengekrügeltes papier, das neben dem mülleimer liegt. stimmen, die sich verbinden, mit welchen ich schwimmen kann, dort wo brücken zusammengebrochen sind. wo wir gemeinsam warten, unlesbarkeit üben, uns orientieren. dort wo vielleicht kein weg sichtbar ist, aber desirelines angedeutet sind. von wo wir übersetzen und anlegerpunkte suchen, dort wo wasser fliesst, oder irgendwo, wo der boden fester scheint, wir aber trotzdem sea legs verspüren.


several acts
Elisa Nessler und Lennart Häusser –
Ich sitze im Garten, das Wetter ist trüb


Do, 5.3. – Sa 11.4.26
Ich stehe an einer Kreuzung, die Wege sind mit grauem Schotter bedeckt. Weite Ebenen zu allen Seiten, in der Ferne eine kupfern schimmernde Stadt. Von weitem sehe ich jemanden winken. Ich gehe an Sträuchern und Gräsern vorbei und nähere mich einem Haus, die Türen sind offen, davor eine blühende Wiese. Ich sitze im Garten, das Wetter ist trüb. Es zieht ein Wind vom Horizont her auf.
(elisanessler.com)

Do, 5.3.26, 19 Uhr
martian m. mächler – heimsuchen
(ein übersetzungsversuch and thoughts on a puddle)
Performative Lesung

Eine Person wartet auf Diagnosen und Veränderung, will Masken ablegen und erprobt Selbsterzählungen, die mäandern und sich einkerben. Die Person sucht verkörperte Worte, die helfen, nicht von Erinnerungen oder blockierenden Bühnenbildern verschluckt zu werden. Eine Pfütze erscheint als temporäre Verkörperung eines Übersetzers und Zeugin, die daran erinnert, wie wichtig es ist Worte in ihrer Widersprüchlichkeit und Zeitlichkeiten
im Raum zu behalten.
(mmmaechler.com)

Sa, 7.3.26, 18 Uhr
Joseph Baan – the mouth is a wound kept open by language
Performative Lesung

So, the only way to wield language is through its negation: using language against itself. Oxymorons, contradictions, antitheses, exaggerations, hyperboles, juxtapositions, cacophonies, ellipses, misrepresentations—lies. Some things, we can‘t be clear about. And if I‘m lying, I can‘t know why.
(josephbaan.com)

Sa, 11.4.26, 14–18 Uhr, mit Pausen
weather forecast
(Esther Vorwerk & martian m. mächler) – sharing words
Schreibworkshop
Teilnehmer:innenanzahl: ca. 15 Personen
(nur auf Anmeldung: m@mmmaechler.com)

Wie schreiben und bewegen wir uns als Geister? Wie teilen wir Worte? Wie hilft uns das Wetter dabei über Gefühle zu schreiben und Räume zu entwickeln, in welchen Trauer geteilt werden kann? Wie können wir gemeinsam schreiben? Kann ein eingewachsener Zehennagel beim Schreiben helfen? Wir werden mit somatischen und kollektiven Schreibmethoden arbeiten, die individuelle Autor:innenschaft aufbrechen und ein gemeinsames Geschichten erzählen ermöglichen.
(esthervorwerk.de)

Sa, 11.4.26, 18–20 Uhr
Finissage & Sharing

Access Information:
Die Ausstellungsräumlichkeiten der FRISE sind nicht stufenlos zugänglich.

In der Ausstellung und den damit verbundenen Veranstaltungen stehen unterschiedliche Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Bei Fragen: martian m. mächler, m@mmmaechler.com

ein übersetzungsversuch (several acts) wurde von martian m. mächler für das Jahresprogramm «Was die Stimme nicht weiss» im Künstler*innenhauses FRISE entwickelt. Mit besonderem Dank an Ina Arzensek für die enge Betreuung.

Gefördert von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung, Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung